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Kommentar zu den Schweizer Glasfaser-/FTTH-Ausbauplänen
7. Juli 2024
Am 8. Februar 2024 hatte Swisscom eine Kommunikation zum FTTH-Ausbau lanciert. Sie behauptet: «Swisscom setzt den Ausbau von Glasfaser konsequent fort und läutet das Ende des Kupfernetzes ein: Bis Ende 2025 soll die Glasfaserabdeckung auf 57% und bis Ende 2030 auf 75 bis 80% wachsen, während das Kupfernetz parallel dazu sukzessive ausser Betrieb genommen wird». Nach 2030 solle der FTTH-Ausbau dann langsamer und der Breitbandausbau ggf. mit anderen Technologien wie Mobile oder Satellit komplettiert werden. Gerade die strukturschwachen Randregionen sind nach wie vor mit einer Landflucht der jungen Personen konfrontiert. Arbeitsplätze sind in Randregionen nicht gesichert, erst recht nicht, wenn die Kommunikationsinfrastrukturen nicht bedarfs- und zeitgerecht nachgezogen werden.
Im März 2024 wurde vom Europäischen FTTH Council die Rangliste der FTTH-Penetration in Europa publiziert. Die Schweiz placiert auf Rang 34 von 39! Es sind also 1.841Mio Wohneinheiten erschlossen worden und darauf nutzen nur 920’000 Kunden Services über diese Infrastrukturen. Die Take Rate beträgt also 50%. Die Schweiz hinkt entsprechend im Europäischen Umfeld in FTTH-Ausbauten stark hinterher. Es darf dazu statuiert werden, dass die Breitbandversorgung in der Schweiz gut ist und ein Grossteil der Bevölkerung, auch aufgrund von HFC-Kabelnetzen sowie sehr guter Mobile-Versorgung, anständige Breitbanddienste nutzen kann. Randregionen und in der ländlichen Schweiz verbreitete Streusiedlungen sind davon leider oft ausgenommen. Der FTTH-Ausbau findet nach wie vor in den urbanen Zonen statt – und somit als parallel-Infrastruktur zu bestehenden, leistungsfähigen HFC-Netzen. Teure Investitionen in die ländliche Schweiz werden, von ein paar Ausnahmen, leider nach wie vor aufgrund der hohen Kosten vermieden.
Swisscom ist nebst dem FTTH-Ausbau nach wie vor mit dem Glasfaserstreit beschäftigt und ist mit rund 600’000 falsch verlegten Point-to-Multipoint FTTH-Anschlüssen konfrontiert, die sie nicht vermarkten darf. In den vor Herbst 2022 den TU (Total Unternehmen) zugeteilten Ausbaulosen wird in einigen Gemeinden nach wie vor Point-to-Multipoint fertiggebaut, damit diese dann gleich blockiert und stillgelegt werden. Diese dürfen gemäss WEKO-Verordnung nicht vermarktet werden und sind somit solange blockiert, bis der Umbau zu Point-to-Point stattgefunden hat.
Die Schweiz zählt laut statistischem Amt rund 4.810Mio Nutzungseinheiten. Darunter werden Wohnungen und Arbeitsstätten verstanden. Wir wissen jedoch, dass der Zubau von Wohneinheiten aufgrund der Zuwanderung stark ausgebaut wird. Die reinen Wohneinheiten betrugen 2023 rund 4Mio. Nehmen wir diese mit 100% an.
Es kann davon ausgegangen, dass über 90% der FTTH-Ausbauten durch Swisscom erfolgt. Swiss FibreCo, Sunrise, Salt, EVUs, Swiss4net, Gemeinden und andere Infrastruktur-Akteure haben leider nur beschränkt Mittel und Möglichkeiten, FTTH in spezifischen Gebieten auszurollen. Dazu kommt, dass insbesondere die grossen Anbieter Sunrise und Salt andere Prioritäten haben, als grossflächig in FTTH zu investieren. Leider ist dies schade, aber beide fokussieren sich klar auf ihre Mobilnetze und deren Ausbau. Beide Akteure kauften sich bereits bei Swisscom ein und haben FTTH-Fasern präventiv als IRU (Irreversible Right of Use) gesichert. Somit ist klar, dass Swisscom die einzige Firma ist, die in der Schweiz grossflächig in FTTH-Infrastrukturen investiert. Einen Zwang dazu hat sie indes nicht! Die Grundversorgung wird in Breitbandbreite definiert. Vergleiche dazu auf der Grundversorgungskonzession von BAKOM.
Die Swisscom muss laut unseren Berechnungen mindestens CHF 700’000 in den FTTH-Ausbau jährlich investieren, um ihr Ausbauziel von 75% per Ende 2023 zu erreichen. Dazu kommen noch die Umbauten von Point-to-Multipoint nach Point-to-Point. Dies wird nochmals ca CHF 1Mrd. kosten. Wir werden also beobachten und sehen, wie schnell Swisscom wirklich bauen wird, ob sie in ein paar Jahren verlangsamt und den Rest der Schweiz stehen lässt oder wie sie die Grundversorgung umzusetzen gedenkt. Wir erinnern uns daran, dass Swisscom derzeit im Glasfaserstreit das Verfahren an das Bundesgericht weitergezogen hat und die Zuständigkeit der WEKO bzgl. der FTTH-Verfügungen in Frage stellt. Es ist also mit weiteren Verzögerungen zu rechnen sein. Die Schweiz wird zwar bezüglich Glasfaserversorgung schneller als Deutschland am Ziel sein, aber in der FTTH-Council Rangliste sich noch länger im hinteren Drittel befinden.
Sollte die Schweiz vollständig mit FTTH-Anschlüssen ausgebaut werden, sind ab heute mindestens CHF 11Mrd. Kapital im Point-to-Point FTTH-Verfahren nötig. Das beinhaltet den Ausbau von rund 2’000 Gemeinden mit etwa 2.7Mio Nutzungseinheiten (Wohnungen und Arbeitsstätten kombiniert). Das wäre der finale Endstand aus heutiger Sicht. Wir wissen aber, dass jährlich mehrere 10’000 Wohneinheiten zugebaut und erschlossen werden müssen. Grösstenteils sind diese in günstiger zu erschliessenden Zonen.
| Was | Quelle | Anzahl/Werte | Kommentare |
| Wohneinheiten Schweiz (Nutzungseinheiten NE) | FTTH Council | 4’003’958 NE | 100% |
| FTTH Ausbau (Homes passed) | FTTH Council | 1’841’821 NE | 46% |
| zu bauende FTTH-Wohneinheiten | Berechnung VSENG | 2’162’137 NE | 54% |
| Swisscom FTTH Ausbauplan bis Ende 2030 | Jahresbericht Swisscom 2023 | 3’002’969-3’203166 NE | 75-80% |
| Ausbau FTTH-Swisscom bis Ende 2023 | Schätzung VSENG | 1’600’000 NE | |
| Ausbau 2024-2030 FTTH Swisscom | Schätzung VSENG | 1’400’000 NE | |
| Ausbaugeschwindigkeit FTTH Swisscom | Schätzung VSENG | 200’000 NE/Jahr | |
| FTTH Baukosten pro Wohneinheit durchschnittlich mit Point-to-Point Ausbau-Standard | Berechnungen VSENG | CHF 3’500.-/NE | |
| FTTH-Kosten für Swisscom pro Jahr | 200’000xCHF 3’500 | CHF 700’000.- | |
| Swisscom Investitionsbudget 2023 für 2024 | Swisscom Jahresbericht 2023 | 1’700MCHF in der Schweiz | für alle Vorhaben (nicht nur FTTH) |
| Total Fiber Rest-Investitionsbedarf Schweiz für 4.8Mio. Nutzungseinheiten im FTTH P2P-Ausbauverfahren | Berechnungen VSENG | CHF 11 Mrd. | für 4.8 Mio. Nutzungseinheiten |
| – FTTH Restausbau in städtischen Gebieten | Berechnungen VSENG | CHF 6 Mrd. | für 4.1 Mio. Nutzungseinheiten |
| – FTTH Restausbau in ländlichen Gebieten | Berechnungen VSENG | CHF 1 Mrd. | für 0.2 Mio. Nutzungseinheiten |
| – FTTH Restausbau in Randregionen | Berechnungen VSENG | CHF 4 Mrd. | für 0.5 Mio.Nutzungseinheiten |
Tabelle 20240707: VSENG-Berechnungen FTTH-Ausbau Schweiz.
Verwendete Quellen: Swisscom Ausbaupläne, FTTH-Council Ranking 2023, Swisscom Jahresbericht 2023 sowie eigene Berechnungen.